Hallo meine Lieben,
Ich heisse Shana - für den Namen kann ich nix, find ich aber doch noch schöner als Gundula, Agnes oder Knut - oder etwa nicht? Auf jeden Fall freu'ich mich wahnsinnig auf mein Leben unter Euch. Schon bei der Geburt war ich ein richtiges "Mordsweib", denn meine Masse erzeugten überall erstauntes Kopfnicken. Ich selbst find die Zahlen gar nicht so mächtig - bin jetzt schon viel grösser und schwerer... ätsch.
Geburtsdatum Dienstag, 30. April 2002
Geburtszeit 08.46 Uhr
Startgewicht & -grösse 3700 g / 54 cm

Geboren wurde ich von meiner Mammi Astrid. War das ein Krampf. Und Du musst jetzt bloss nicht meinen die Geburt sei für mich ein Spaziergang gewesen - mit nichten! Hatte einen 30stündigen Kampf; irgendwas sagte mir "Hey bleib doch noch ein bisschen, hier ist es doch so schön warm und kuschelig", aber meine Mammi presste wie ein Verrückte und drückte mich immer tiefer, dass ich fast keinen Platz mehr hatte. Also entschied ich mich dann doch für den "Ausgang"... Und da war ich dann...

 
Ich hab ganz liebe Eltern. Sie kümmern sich um mich, sind da wenn ich schreie, Hunger hab oder die Windeln voll sind - immer dann sind sie zur Stelle und sorgen sich um mich. Und bei Ihnen fühl ich mich extrem wohl.
Zu unserer Familie gehören auch noch zwei Katzen. Mammi und Papa haben die schon vor mehreren Jahren  von einem Berner Bauernhof bekommen. Sie sind ganz süss und lieb - wenn auch sie doch überall sehr viele Haare verlieren. Heissen tun sie Pascha (der Dicke) und Kiwi (die Madame).

Wie meine Mammi die Geburt erlebte:

Meine liebe Tochter, es war schon verdammt schwer, nicht etwa die Schmerzen - die waren eigentlich zum Aushalten. Nein, das schlimmste war die Länge der gesamten Geburt: Über 30 Stunden sassen, lagen und liefen mein Mann und ich im Gebärsaal Nr. 1 im Visper Spital umher. Die Nacht zuvor hatte ich auch kaum Schlaf gefunden; also das grösste Problem war das Schlafmanko und die meine Erschöpfung. Als Du, liebe Shana, dann aber in meinen Armen lagst, war alles vergessen. So etwas Liebes, so etwas schönes und vor allem so etwas Eigenes - das ist schon ganz toll. Ich danke Dir dafür.


Und wie mein Papa die Geburt erlebte:

«Du ich glaube es geht los!» Sind diese Worte erst einmal ausgesprochen, ist es definitiv zu spät. Wenn Sie kurz vor der Entbindung immer noch hoffen, dass sich ihr schwangeres Pendant im Krankenhaus von Ihnen verabschiedet, befinden Sie sich auf dem Holzweg. Und der führt direkt in den Kreissaal: Ehe mans sich versieht, muss man hilflos ansehen, wie der Frau, aus deren Bauchnabel man einst Champagner schlürfte die Fruchtblase platz. Schon klar: Sie müssen! Und zwar auch irgendwie.

Denken Sie logisch: Angst vor Blut, Schweiss, Schmerzenschreien? Vergegenwärtigen Sie sich, dass Sie bloss Zeuge eines extremen Ausnahmezustandes werden. Und auch, dass Ihre Liebste binnen weniger Stunden wieder ganz normal aussehen wird. Eine Niederkunft kann, wie gesagt, ein wenig blutig werden. Bei nahender Ohnmacht gilt: Gehirn aus und Autopilot an. Machen Sie einfach Ihren Job, in diesem Fall zugucken. Denken Sie an etwas Schönes: Klappt doch beim Zahnarzt auch. Fussball, Autos, Bratwurst - egal. Hinterher sagen Sie einfach das, was alle sagen: «Es waren die intensivsten und schönsten Stunden meines Lebens.» Wird schon stimmen...
Quelle: «MAXIM», Mai 2002