Stunden vor der Geburt...

Noch war meiner Mammi zum Lachen. Das da im prallgefüllten Bauch, das da bin ich - zumindest darunter. Meine Mammi lag bereits auf dem Gebärbett; um den Bauch das sogenannte CTG, wobei das obere Band die Kontraktionen von mir an der Bauchoberfläche mass und das untere Band meine Herztöne kontrollierte.

Unten sieht man unsere liebe Hebamme Gaby. Während im Radio ständig der französische Sänger Garou lief, schritt die Geburt immer weiter voran...

Da war meine Mammi schon erschöpfter und bleich... merkt man da überhaupt einen Übergang vom Leinentuch zum Gesicht? Mir gings zu diesem Zeitpunkt noch recht gut. 

Der Ausgang wurde durch die Wehen meiner Mammi immer weiter geöffnet -und ich wurde dadurch immer tiefer hineingedrückt, obwohl meine Arme und Beine kaum mehr Platz bekamen. Ich dacht da nur: "Da musst Du wohl durch...!" 

Und plötzlich ging dann ganz schnell. Offenbar schlug mein Herz nicht mehr allzu regelmässig. Hinzu kam, dass meine Mammi nach über 30 Stunden auch völlig erschöpft war. So entschloss sich unser lieber Arzt Dr. Michael Hesse, Assistenz-Arzt Dr. Damian Hutter und die Hebamme Gaby Klingele mich mit der Vakuum-Glocke zu holen.

Mein Gott. Das wünsch ich dann doch Niemandem! Da kommt so ein kaltes Etwas, saugt sich an meiner noch weichen Kopfdecke an und dann zieht da irgendwer mit aller Kraft, so dass sich mein Kopf um weniger cm in die Länge zog. Sah von Aussen noch brutaler aus - sagte jedenfalls mein Papa später zu mir. 

Ja und da war ich dann. Ich war ein sogenannter "Sternengucker", dass sich solche Kinder die statt zur Seite oder nach Unten nach oben schauen - wobei ich diese Lage bewusst wählte, denn ich wollte doch extrem schnell mal schaun wie denn nun meine Mammi von Aussen ausschaut. 

Kaum Draussen wurden mir durch den Assistenz-Arzt mit einem Schläuchlein Fruchtwasser rausgesogen und mein Papa konnte gleich anschliessend die Nabelschnur durchtrennen - Nun war ich also nicht mehr "verkabelt"...

So wars zu Beginn gar nicht so angenehm: Kaum war ich raus - schon wollte ich eigentlich wieder rein. Alle freuten sich, taten hektisch und wichtig, nur ich fühlte mich unsicher. Mir war saukalt und alle fingerten an mir rum. Erst als ich dann wieder auf der Brust von meiner Mammi lag, ihren gewohnten Herzschlag hörte, fühlte ich mich wieder ganz wie zu Hause. 

Und dann sah ich ihn zum erstenmal. Zuerst verschwommen, dann immer schärfer. Ich weiss jetzt auch nicht, aber ich denke verschwommen sah er doch wesentlich besser aus. Nun ja, seine schwarze Brille erschrank mich, doch schon als er das erste mal sprach, erkannte ich ihn und dachte "Aha, Du bist jetzt also mein Papa." Und es war auch mein Papa, der die Ehre hatte mein schöner Körper das erstemal zu baden.
Dass ich dabei fast ersoffen bin, möcht' ich an dieser Stelle verschweigen...

Inzwischen wurde nun meine Mammi behandelt. Weil ich mit der Glocke geholt werden musste, musste Dr. Hesse auch den Ausgang dementsprechend "erweitern". Dieses "Loch" musste nun wieder zugenäht werden. Unter den Augen von Dr. Michael Hesse nähte Dr. Damian Hutter die klaffende Wunde fachmännisch zu.

Erschöpft, aber überglücklich und erleichtert: Meine Mammi Astrid (immer noch schrecklich bleich).
Hey wer ist denn das kleine Ding in ihren Armen, das da schreit??? Mmmh? Au das bin ja ich...
So klein war ich. Und doch eine ganz Grosse! Eine ganz Grosse für meine Mammi und mein Papa. "Mein Gott war diese Geburt ein Stress..."!